Baukosten runter, Neubau rauf – Regierung legt 13-Punkte-Plan vor
Die Lage im Wohnungsbau bleibt angespannt: Die Baukosten in Deutschland sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Diese Entwicklung belastet private Bauherren, Investoren und die öffentliche Hand gleichermaßen. Hohe Baukosten sind einer der Hauptgründe, warum in Deutschland derzeit zu wenig gebaut wird, obwohl der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum hoch bleibt.
Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) hat bei einer Konferenz in Frankfurt am Main einen „Aktionsplan zur Senkung der Baukosten“ vorgelegt. Im Fokus stehen Technologie, Förderung sowie Regulierung. Die wichtigsten Maßnahmen des Aktionsplans im Überblick:
- Digitaler Bauantrag: Bauanträge sollen bis 2028 in den Ländern grundsätzlich digital und medienbruchfrei erfolgen. Papieranträge sind nur noch in Härtefällen vorgesehen.
- Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung: Bauleitplanverfahren sollen durch digitale Standards transparenter werden; Ziel ist eine Begrenzung auf maximal zwei Jahre.
- Serielles und modulares Bauen: Industrielle, standardisierte Bauweisen werden stärker gefördert, unter anderem durch Boni für kürzere Bauzeiten.
- Sekundäre Bauteile und Materialzulassung: Wiederverwendung und Recycling von Baumaterialien sollen erleichtert werden, um Rohstoffkosten zu senken.
- Gebäudetyp E: Rechtssichere Abweichungen von teuren Komfort-Standards sollen erleichtert werden. Ein Gesetzentwurf ist für 2026 angekündigt.
- Zentrales Förderprogramm Neubau: Die fragmentierte Bundesförderung soll ab 2027 in einem zentralen, modularen Neubauprogramm gebündelt werden.
- Effektive Finanzierungsmöglichkeiten: Privates Kapital soll stärker mobilisiert werden, unter anderem über einen Fonds für bezahlbares Wohnen mit KfW-Unterstützung.
Quelle: Bundesministerium für Wohnen, Bauen und Stadtentwicklung; Haufe
Vermieterbefragung: Mehr Vorschriften, weniger Mietwohnungen?
Geplante Mietrechtsänderungen könnten den angespannten Wohnungsmarkt weiter belasten. Eingriffe wie strengere Regeln für möblierte Vermietung oder eine Begrenzung von Kurzzeitverträgen sollen zwar Mieter schützen, Kritiker warnen jedoch vor schrumpfenden Angeboten.
Laut der bundesweiten Haus & Grund Vermieterbefragung 2026 denken sechs von zehn Vermieterinnen und Vermietern darüber nach, ihre Vermietungstätigkeit ganz oder teilweise aufzugeben und den Wohnraum zu verkaufen. Ausschlaggebend ist hierbei vor allem die kumulative Wirkung der Summe aller Regulierungen.
Quelle: Handelsblatt
Gebäudemodernisierungsgesetz: Zwischen Klimazielen und Investitionsanreizen
Während die Bundesregierung mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz mehr Flexibilität beim Heizungstausch schaffen will (wobei künftig auch neue Öl- und Gasheizungen wieder möglich sein sollen), warnen Experten vor Rückschritten beim Klimaschutz und rechtlichen Unsicherheiten.
Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags kommt zu dem Ergebnis, dass das Gesetz möglicherweise gegen das Grundgesetz verstoßen könnte, weil es Klimaschutzlasten zu stark in die Zukunft verschiebt und künftige Generationen unverhältnismäßig belasten könnte.
Quelle: Tagesschau.de, WirtschaftsWoche
Neubauförderung: Verlängerung für den EH55-Plus-Standard
Die ursprünglich bis Ende Juni befristete Neubauförderung für den EH55-Plus-Standard wird offiziell verlängert. Anträge können weiterhin gestellt werden, bis die Mittel ausgeschöpft sind, längstens jedoch bis zum Jahresende. Gefördert werden Neubauten im Effizienzhaus-55-Standard, die vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt werden.
Laut Bundesbauministerium konnten durch das Programm bereits rund 33.700 Wohneinheiten aktiviert werden. Aktuell stehen noch etwa 343 Millionen Euro bereit. Die Förderung ist weiterhin mit einem attraktiven Zinssatz von effektiv 1 % pro Jahr bei zehn Jahren Zinsbindung abrufbar.
Quelle: AssCompact